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Funktionelle Beinbeuger

Wollen wir den Beinbeuger kräftigen und sprechen im Fitnessstudio einen Trainer an, führt uns dieser in den meisten Fällen sehr zielstrebig an ein Gerät. Dort angekommen wird uns an dem sogenannten „Beinbeugergerät“ (engl. Leg Curl) schnell bildlich veranschaulicht wie wir unser Bein isoliert zu beugen haben. Auf den ersten Blick macht dies durchaus Sinn, doch schauen wir mal in unser Bein und widmen uns der Anatomie.

Wörter: ~550 | Geschätzte Lesezeit: 5min


Gliederung

1. Einleitung
2. Anatomie
3. Die anatomische vs funktionelle Ansicht des Beinbeugers
4. Wissenstransfer

1. Einleitung

Wollen wir den Beinbeuger kräftigen und sprechen im Fitnessstudio einen Trainer an, führt uns dieser in den meisten Fällen sehr zielstrebig an ein Gerät. Dort angekommen wird uns an dem sogenannten „Beinbeugergerät“ (engl. Leg Curl) schnell bildlich veranschaulicht wie wir unser Bein isoliert zu beugen haben. Auf den ersten Blick macht dies durchaus Sinn, doch schauen wir mal in unser Bein und widmen uns der Anatomie.

2. Anatomie

Die ischiocrurale Muskulatur (oft im engl. Hamstring genannt) umfasst 3 Muskeln:

  • zweiköpfiger Oberschenkelmuskel (M. biceps femoris)
  • Halbsehnenmuskel (M. semitendinosus)
  • Plattsehnenmuskel (M. semimembranosus)

Wie der Name schon sagt, besteht der M. biceps femoris aus zwei Köpfen.

Der lange Kopf (Caput longum) hat seinen Ursprung am Sitzbeinhöcker, schlängelt sich einmal um den Oberschenkelknochen (Femur) und hat seinen Ansatz am Wadenbeinköpfchen.
Dort setzt der kurze Kopf (Caput breve) ebenfalls an, beginnt allerdings deutlich tiefer an der Lateralen Lippe der rauen Linie.

Schauen wir uns diesen Verlauf der zwei Köpfe an, so wird uns schnell bewusst, dass beide Köpfe die Aufgaben der Flexion, als auch die Außenrotation im Kniegelenk haben.

Jedoch sollten wir auch der Extension im Hüftgelenk (durch den caput longum) Beachtung schenken. Aufgrund seines hochgelegenem Ursprungs am Sitzbeinhöcker, streckt sich die Hüfte durch die Kontraktion.

Betrachten wir nun den M. semitendinosus, der auch dem Sitzbeinhöcker entspringt und an der medialen Seite des Beines (seitlich der Schienbeinrauhigkeit) ansetzt.

Auch er weist, wie der M. biceps femoris die Flexion im Kniegelenk auf. Seine Aufgaben unterscheiden sich jedoch durch seinen medialen Ansatz:

  • die Innenrotation des Kniegelenks
  • und durch den Ursprung am Sitzbeinhöcker die Extension der Hüfte

Zuletzt folgt noch der M. semimembranosus. Dieser teilt wie die zwei anderen Muskeln seinen Ursprung am Sitzbeinhöcker und setzt am medialen Schienbeingelenkknorren an. Durch seinen ähnlichen Verlauf wie der M. semitendinosus hat er die gleichen Funktionen:

  • Flexion und Innenrotation im Kniegelenk
  • Extension im Hüftgelenk

Merke: Die ischiocrurale Gruppe kann das Knie nach innen und außen rotieren, beugen, sowie die Hüfte strecken!

Setzen wir die „Anatomie-Brille“ ab und betrachten die ganze Sache funktionell:

3. Die anatomische vs funktionelle Ansicht des Beinbeugers

Die bisherige Betrachtung war rein anatomisch. Bis jetzt ergab die Nutzung des „Beinbeuger-Geräts“ sicherlich Sinn.

Doch wann trainieren wir die Hüftstreckung, arbeiten in der Frontal- und Transversalebene am Gerät?

Betrachten wir die Bewegungsmuster des Menschen, so stellen wir uns die Fragen:

  • Wann liegen wir auf dem Bauch…
  • Wann sitzen wir auf dem Stuhl …

…und beugen dabei unser Kniegelenk?

Fällt euch eine Bewegung ein?

  • Wann muss der Mensch seine Hüfte strecken?

Bei allen Arten der Fortbewegung ist die Funktion nicht die Kniebeugung, sondern die Hüftstreckung und Stabilisation des Knies.
Merkt ihr was ich euch vermitteln möchte?

Die Beinbeuger sind Synergisten des Gluteus, welche aktiv  den Gluteus bei der Extension der Hüfte unterstützen. Sie sind die zweitstärksten Hüftextensoren und müssen auch dementsprechend trainiert werden.
Ein Training der Hüftbeuger, ohne aktivierten Gluteus macht funktionell gesehen wenig Sinn und sollte auch so nicht durchgeführt werden.
Die Beinbeuger sollten mit hüftdominanten Übungen, vorzugsweise einbeinig zur Kniestabilisation, trainiert werden.

4. Wissenstransfer:

Im menschlichen Gangbild benutzen wir die Beinbeuger als Hüftstrecker. Wenn ihr funktionell trainieren möchtet, ist der Beincurl am Gerät Zeitverschwendung. Denn das Knie wird nicht durch die Beinbeuger gebeugt, sondern durch die Schwerkraft.

Primäre Quelle: Fortschritte im Functional Training – Michael Boyle (Riva Verlag)

 

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