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Digitalisierung im Sport: Himmel oder Hölle?

Die Digitalisierung ist in aller Munde. Auch in der Fitnessindustrie hat man erst Ansatzpunkte miterleben dürfen, spätestens seit dem ersten virtuellen Kurs-Angebot einer großen Fitnesskette scheint man sich auf diesem Gebiet Gedanken zu machen. Zu unpersönlich oder wenig abwechslungsreich waren die persönlichen Rückmeldungen von Teilnehmern, die eine Stunde lang auf einem überdimensionierten Bildschirm geblickt haben.
Digitalisierung als Ersatz des Trainers?

Wörter: ~1300 | Geschätzte Lesezeit: 8min


Gliederung

1. Einleitung
2. Wie könnte man sich die Zukunft vorstellen
3. Wie kann die Digitalisierung klug umgesetzt werden?
4. Datensammlung
5. Take Home Message

1. Einleitung

Die Digitalisierung ist in aller Munde. Auch in der Fitnessindustrie hat man erst Ansatzpunkte miterleben dürfen, spätestens seit dem ersten virtuellen Kurs-Angebot einer großen Fitnesskette scheint man sich auf diesem Gebiet Gedanken zu machen. Zu unpersönlich oder wenig abwechslungsreich waren die persönlichen Rückmeldungen von Teilnehmern, die eine Stunde lang auf einem überdimensionierten Bildschirm geblickt haben. Digitalisierung als Ersatz des Trainers. Ob man nun den Trainer wegrationalisieren kann, um so Personalkosten zu sparen und dennoch eine gleichbleibende Qualität der Kurse erhalten bleibt? Darüber kann man sich sehr wohl streiten. So oder so scheint der virtuelle Kurs in einem Fitnesscenter zunächst ein paar Gefahren mit sich zu bringen. Immer wieder das gleiche Programm von einer Festplatte abzuspielen und keine Korrekturen zu bekommen, mag mit Sicherheit auf Dauer eintönig werden und im schlimmsten Falle sogar verletzungsfördernd. Wenn falsche Techniken nicht mehr korrigiert werden, wird es nur eine Frage der Zeit sein bis sich die ersten Schmerzen bei den Sportlern auftun - das kann wohl nicht im Sinne des Erfinders sein?

2. Wie könnte man sich die Zukunft vorstellen

Unumgänglich scheint auf Dauer der Einsatz von optischer Erkennungssoftware, die die Athleten bei der Ausführung ihrer Übung filmt und bei einer falschen Technik Alarm schlagen wird. Als Freund von Bildmaterial in Trainings und bei Techniken ist eine Videoaufnahme auch die Beste und einfachste Möglichkeit eines Trainers, Fehler aufzudecken und seinem Sportler darzustellen. Im American Football sind von den Profis bis auf die deutschen Amateurligen Video-Analyse-Softwares, wie zum Beispiel „Hudl“, kaum noch wegzudenken. Der Aufwand diese zu analysieren und kommentieren stellt auch einen beachtlichen Aspekt dar. Der Faktor Mensch, sprich ein kompetenter Trainer, scheint auch erst nicht wegzudenken zu sein. Zu viele Szenarien die, die jeweilige Software lernen müsste stehen hier im Weg. Wobei wohl auch dies mit einer zukünftigen Generation an Computer-Technologie nicht auszuschließen sei.

 

Wenn Speicher, Rechenleistung sowie die notwendige optische Erkennung verfügbar ist, dann wird nach einer intensiven Lernphase auch dieses Szenario denkbar. Womöglich wird die neue Aufgabe eines Trainers darin bestehen die Software weiter lernen zu lassen und sich nur noch mit äußerst schweren Fällen, das heißt Schmerzen, zu beschäftigten. Die breite, vermeintlich gesunde Masse wird jedoch durch virtuelle Klassen durchgeschleust. Die romantische Vorstellung des Sports ist spätestens dann dahin, wenn der Mensch die sportliche Ertüchtigung als allabendliches Pflichtprogramm im Kalender definiert. Zwischen zwei Meetings noch eben kurz aufs Laufband - natürlich immer in Verbindung mit dem Büro um den nächsten Tag zu planen oder in den Pausen zwischen den Sätzen Mails schreiben, Facebook checken, etc.
Wenn Bewegung zur Nebensächlichkeit wird, nur um seine gesellschaftliche Pflichterfüllung mal eben auf Instagram zu posten, dann ist es im Grunde auch nicht mehr relevant, wer die Kurse hält. Die vielen abwesenden Blicke in den Fitnessstudios sprechen eine eindeutige Sprache. Auch wenn man seinen Körper vier bis fünf Mal die Woche bis zur völligen Erschöpfung kaputt trainieren muss, um überhaupt noch etwas zu spüren, dann ist die Digitalisierung des Hirns bereits im vollen Gange.

3. Wie kann die Digitalisierung klug umgesetzt werden?

Großer Punkt der uns im alltäglichen Leben mittlerweile dauerhaft begleitet, ist jegliche Art von Social Media. Für uns als Trainer ist es die beste Möglichkeit, unsere Philosophie und Idee zu teilen. Als Plattform, um eine Vielzahl an Menschen zu erreichen, ist dieses Werkzeug nicht mehr wegzudenken. Dennoch muss man erwähnen, dass der zeitliche Aufwand und das Bereitstellen von Inhalten doch enorm viel Zeit in Anspruch nimmt und sich nicht jeder in dieser Rolle wiederfinden wird. Sich der Menschheit zu offenbaren und sich auf der öffentlichen Bühne zu präsentieren, Bedarf einiges an Überwindung, Talent und Selbstvertrauen. Auch hier verliert sich die Romantik schnell, wenn die ersten Trolle die eigene Seite belagern und sich im „Schutze“ der Anonymität des Internets auslassen.
Abschließend darf man die ursprüngliche Aufgabe dieser Plattformen nicht vergessen. Das Netzwerken. Spätestens dann, wenn man nicht mehr weiter weiß, hilft es, kompetente Menschen in seinem Netzwerk zu haben. Synergien können geschaffen werden und die Wahrscheinlichkeit, dass schwerwiegende Probleme gelöst werden können, steigen enorm. Im Sinne des Netzwerkens macht es durchaus auch Sinn sich nicht nur mit dem Menschen aus dem eigenen Umfeld zu umgeben. In unserer schnelllebigen Zeit ist es gar nicht abzusehen, wann wer aus unserem Netzwerk uns helfen kann oder wann wir jemand helfen könnten.

Nach wie vor funktioniert Mund Propaganda am besten- auch im Netz. Das persönliche Netzwerk kann Probleme lösen, Kunden gewinnen oder die ein oder andere Tür öffnen.

Als Freund von jeglicher (guter) Software und IT-Themen freue ich mich natürlich, wenn man diese entsprechend vernünftig einsetzt. Ich selbst nutze gerne ein virtuelles Fitnessstudio, in welchem ich meinen Athleten ergänzende Übungen als Hausaufgaben mitgebe oder Apps über die wir gemeinsam auf die Ernährung schauen können. Wichtig hierbei ist allerdings wieder der Faktor Mensch. Als Trainer sehe ich es als mein Verantwortungsbereich, nur Übungen mitzugeben, die zielführend sind und die mein Sportler umsetzen kann. Durch Videos und 3D-Anmiationen kann die Übungen hervorragend dargestellt werden. Die Aufgabe des Sportlers besteht dann nur noch im Umsetzen der Hausaufgaben. Fehlinterpretationen der Anweisungen oder das Vergessen sind fast ausgeschlossen. Viele Tools bieten die Möglichkeit, die Aktivitäten und Fortschritte mit zu tracken. Das heißt, der Athlet kann den Vollzug der Übungen auch sehr einfach zurückmelden. Als Ergänzung zu unseren regelmäßigen Terminen ist das sicher ein Punkt, an dem die Digitalisierung mich als Trainer unterstützt hat. Durch Apps auf dem Smartphone kann man sich perfekt auf den aktuellen Stand des Sportlers vorzubereiten und hat entsprechend Zeit sich auf die Stunden einzustimmen. Die Auswirkung auf die Qualität des Trainings ist enorm und durchaus positiv zu erwähnen.

 

4. Datensammlung

Auf lange Sicht werden Daten für uns eine zuverlässige Quelle für Entscheidungen werden. Hier können anhand zum Beispiel FMS-Scores, Behandlungsansätze früher ausgewählt werden. Die Erkenntnis, welcher Ansatz bei welchem Ausgangswert den meisten Erfolg gebracht hat ist extrem wertvoll. Mit der Zielsetzung des langfristigen Lernens macht es im Rahmen des Datenschutzes Sinn, diese vollständig zu anonymisieren. Wenn ich aus einem Szenario lernen will, dann sind personenbezogene Daten irrelevant. Zweigleisig zu fahren, das heißt, die Daten im Rahmen der Behandlung (wo Daten einem Athleten zugeordnet werden müssen) und als Knowledgebase (anonymisiert ohne Bezug auf die Person) erfordert einiges an Aufwand und eine klare Trennung. Am Ende kann dies aber die abgespeicherten Eindrücke in den eigenen Erinnerungen unterstützen. Entsprechend spannend wird die Auswahl der Datenbanken oder Software. Diese sollten alle gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Ab Mai 2018 wurden die Datenschutzverordnungen deutlich verschärft, was vor allem die Daten von unseren Athleten betrifft. Sich frühzeitig Gedanken darüber zu machen, welche Daten für die Dauer der Behandlung benötigt werden und wie ich aus diesem Kunden/ Patienten lerne, ist äußerst wichtig. Man kann jedem empfehlen personenbezogene Daten niemanden zugänglich zu machen und sofort zu löschen, wenn diese nicht mehr benötigt werden. Gegenüber den eigenen Kunden empfiehlt sich die höchste Transparenz.

5. Take Home Message

Zusammengefasst bietet jegliche Art von Digitalisierung Möglichkeiten und Risiken. Auf dem Stand der heutigen Technologie sind virtuelle Fitnessstudios als Ergänzung sehr spannend. Die Medien Bild und Video bieten hervorragende Möglichkeiten Techniken zu zeigen und Anleitungen mitzugeben. Für die Datenerhebung gehört genau geprüft, was wird benötigt und wie stelle ich sicher, dass ich diese im Nachgang anonymisiere. Der Lerneffekt aus gewonnen Daten bzw. deren Erfahrungen sind definitiv wertvoll und können langfristig auch auf einem immer weiterwachsenden Markt einen Unterschied machen. Hierbei bedarf es aber ein gewisses Fingerspitzengefühl und Expertise auf diesem Gebiet. Im Einzelfall betrachtet ist der Trainer und dessen Kompetenzen und Erfahrungen der wichtigste Faktor im Umgang mit Menschen.

 

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